Die Android-Krux: Darum müsst ihr auf Updates warten

Und darum läuft es bei Apple schneller

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von Jan Kluczniok
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Googles Handy-OS Android dominiert den Smartphone-Markt. Seit Jahren läuft die Auslieferung von Updates für das Betriebssystem jedoch im Schneckentempo. Selbst Top-Modelle kommen oftmals nicht mit der aktuellsten Version auf den Markt. Auf eine nachträgliche Aktualisierung müssen Nutzer Monate warten. Netzwelt erklärt, warum dies so ist.

Netzwelt erklärt, warum Android-Updates nur im Schneckentempo erscheinen.
Netzwelt erklärt, warum Android-Updates nur im Schneckentempo erscheinen.

Häufige Fragen zum Thema "Android-Update"

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum muss ich als Android-Nutzer immer auf Updates warten?
  2. Warum nennen die Hersteller keinen konkreten Termin für ein Update?
  3. Warum erhalten nicht alle Geräte sofort nach Fertigstellung das Update?
  4. Warum erhalten einige Länder das Update früher als andere?
  5. Verzögert die Entwicklung eigener Nutzeroberflächen die Auslieferung?
  6. Warum kommen oftmals auch neue Modelle nicht mit einer aktuellen Android-Version auf den Markt?
  7. Warum läuft es bei Apple alles reibungsloser?
  8. Warum bekommt mein Modell kein Update?
  9. Brauche ich ein Update unbedingt?

Google veröffentlicht jedes Jahr eine neue Android-Version. Die aktuelle Variante Android 7.0 Nougat erschien im August 2016. Knapp fünf Monate später ist diese aber gerade einmal auf 0,2 Prozent aller Android-Geräte weltweit installiert. Der Löwenanteil der Geräte läuft dagegen mit den rund zwei Jahre alten Versionen Android 6.0 Marshmallow (29,6 Prozent) und Android 5.x Lollipop (33,4 Prozent) oder gar dem noch älteren Android 4.4 KitKat (22,6 Prozent). Zum Vergleich: Die aktuelle Version von Apples mobilen Betriebssystem iOS war einen Monat nach ihrem Release, bereits auf 54 Prozent aller aktiven iPad- und iPhone-Geräte zu finden.

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Warum müssen Android-Nutzer immer länger auf Updates warten? Wieso werden oftmals selbst aktuelle Modelle wie das Honor 6X oder das Galaxy A3 (2017) nicht mit der aktuellen Android-Version ausgeliefert? Warum werden keine Update-Termine kommuniziert? Und wieso läuft gefühlt bei Apple alles besser? Netzwelt verrät es euch.

Warum muss ich als Android-Nutzer immer auf Updates warten?

Der Update-Prozess bei Android ist sehr komplex und besteht aus mehreren Stufen. Der spanische Smartphone-Hersteller BQ hat ihn auf seiner Homepage ausführlich beschrieben. Alles beginnt damit, dass Google eine neue Android-Version ankündigt. Dies geschieht in der Regel im Mai auf der Entwicklerkonferenz Google I/O. Nach der Ankündigung beginnt Google mit der Entwicklung der neuen Android-Version. Diese wird in der Regel im Herbst veröffentlicht, dann gibt Google auch den Code im Android Open Source Project (AOSP) für andere Hersteller frei.

Und hier gibt es das erste Problem: Der Code ist für das jeweilige Referenzgerät also etwa das Nexus 6P (Android 6.0) oder das LG V20 (Android 7.0) optimiert. Bei den Referenzgeräten handelt es sich in der Regel um High End-Smartphones, die auf der aktuellen Prozessorgeneration aufsetzen. Android läuft aber auf einer Reihe unterschiedlicher Hardware-Konfigurationen vom 99-Euro-Handy bis zum 1.000-Euro-Octa-Core-Smartphone.

Um eine flüssige und fehlerfreie Bedienung selbst auf Einsteigergeräten zu gewährleisten, müssen die Hersteller also den Code für jedes ihrer Modelle anpassen. Das können sie laut BQ nicht immer allein, oftmals ist die Hilfe von Zulieferern erforderlich. Chiphersteller wie Qualcomm oder MediaTek müssen den Herstellern etwa Treiber für ältere Prozessoren bereitstellen, damit das Update entwickelt werden kann. Erst wenn diese verfügbar sind, können die Hersteller mit der Entwicklung des Updates beginnen.

Ein Android-Update muss bis zur Veröffentlichung eine langwierige Testphase durchlaufen.
Ein Android-Update muss bis zur Veröffentlichung eine langwierige Testphase durchlaufen. (Quelle: Sony)

Diese dauert meist nur zwischen zwei und zweieinhalb Monaten, erklärt ein Insider gegenüber netzwelt. Danach folge aber eine aufwendige, etwa doppelt so lange Testphase, die Sony schon einmal ausführlich in einem Blogbeitrag beschrieben hat. Allein 700 interne Test führt etwa BQ durch bevor ein Update freigegeben wird.

Zu internen Tests der Software gesellen sich laut Sony dann auch noch Zertifizierungsprozesse. Schließlich unterstützen Smartphones heutzutage eine ganze Reihe von Technologien wie Bluetooth oder WLAN, deren korrekte Implementierung bei einem Software-Update mitunter erneut zertifiziert werden muss.

Es folgen weitere Tests, etwa mit Netzbetreibern. Für diese werden in der Regel eigene Varianten der Updates entwickelt. Diese Varianten enthalten unter anderem Anpassungen an den APN-Schnittstellen für den jeweiligen Provider. Auch diese Testphase ist umfangreich. Laut der Deutschen Telekom fallen bei größeren Versionssprüngen mehrere tausend Tests an. Und schlussendlich will Google jedes Update auch noch einmal kontrollieren. Erst danach kann das Update veröffentlicht werden.

Zudem spielen natürlich auch ökonomische Gründe in die Entwicklung eines Updates mit rein. Die Hersteller haben nur eine begrenzte Zahl Entwickler, die sie ungern rein für das Programmieren von Updates abstellen. Je nach Unternehmensstrategie kann die Entwicklung eines Updates intern also auch eine niedrigere Priorität genießen.

Warum nennen die Hersteller keinen konkreten Termin für ein Update?

Wie lange die Testphase bei einem Update dauert, ist schwer vorherzusagen. Allein das Testen der Software durch verschiedene Mobilfunkanbieter kann mehrere Monate dauern, so ein Insider gegenüber netzwelt. Die Dauer der Tests sei stets unterschiedlich und hänge auch vom Umfang des Updates ab. Viele Hersteller nennen daher lieber keinen Termin. Denn wenn dieser nicht gehalten werden kann, droht negatives Feedback in der Öffentlichkeit.

Warum erhalten nicht alle Geräte sofort nach Fertigstellung das Update?

Android-Updates werden in Wellen verteilt. Dadurch soll eine Überlastung der Update-Server verhindert werden. Wann ein Gerät ein Update erhält, hängt unter anderem davon ab, ob es ein Branding hat oder ob es sich um ein freies Gerät handelt und wann es produziert wurde.

Warum erhalten einige Länder das Update früher als andere?

Dies kann mehrere Gründe haben: Zum einen gelten von Land zu Land unterschiedliche Zulassungs- und Zertifizierungsbestimmungen. Mitunter arbeiten die Behörden in einigen Ländern einfach schneller, so dass das Update hier früher bereit gestellt werden kann. Zum anderen liefern Hersteller ein großes Update gerne erst in kleineren Märkten aus. Dies ist eine Art Vorsichtsmaßnahme: Sollte doch noch ein Fehler enthalten sein, sind nicht sofort mehrere Millionen Geräte betroffen, sondern nur ein paar Tausend.

Verzögert die Entwicklung eigener Nutzeroberflächen die Auslieferung?

Nein. Die Entwicklung der eigenen Nutzeroberfläche kostet zwar ebenfalls Zeit, ist aber nicht der Hauptgrund für eine verzögerte Auslieferung der Android-Updates. Andernfalls würden jetzt bereits alle Motorola-Smartphones mit Android 7.0 laufen.

Warum kommen oftmals auch neue Modelle nicht mit einer aktuellen Android-Version auf den Markt?

Die Entwicklung eines Smartphones dauert in der Regel zwölf Monate. Ein Großteil der Zeit entfällt dabei auf die Optimierung der Software. Kommt ein aktuelles Modell also ohne das neuste Android auf den Markt, liegt es zumeist daran, dass die Entwicklung bereits im vollen Gange wahr, als Google die neue Android-Version vorgestellt hat.

So entsteht ein Smartphone - Besuch bei BQ

Mitunter setzen Hersteller auch aus Kostengründen auf eine ältere Android-Version, da diese geringere Hardwareanforderungen hat und sie dadurch ein Smartphone mit älterer Hardware zu einem besonders niedrigen Preis anbieten können.

Warum läuft es bei Apple alles reibungsloser?

Apple hat in Sachen Updates einen guten Ruf. Der Hersteller aus Cupertino versorgt auch ältere Geräte über mehrere Jahre mit Updates, diese werden zu einem Tag X weltweit ausgerollt. Warum schafft Apple das und die Android-Hersteller nicht? Das hat mehrere Gründe:

  • Apple entwickelt iOS nur für eine handvoll Modellvarianten, die noch dazu alle eine sehr ähnliche Hardware-Plattform nutzen.
  • Apple bietet Hard- und Sofware aus einer Hand. Während Google Android unabhängig von den Herstellern entwickelt. Das verschlankt den Prozess

Warum bekommt mein Modell kein Update?

Warum erhalten manche Android-Smartphones kein Update? Hierfür gibt es zwei Gründe. Erstens: Die Hardware ist für die neue Version des Systems zu schwach, zweitens: der Hersteller entscheidet sich aus strategischen Gründen gegen das Update. Hat sich ein Modell zum Beispiel schlecht verkauft, wird ein Hersteller vermutlich kein Update dafür entwickeln. Mitunter ist auch ein Nachfolger in Arbeit, weshalb man ungern den Vorgänger durch ein Update aufwerten will.

Brauche ich ein Update unbedingt?

Oftmals stellt sich die Frage, ob ein Update überhaupt Sinn ergibt. Schließlich steigen mit jedem Android-Update auch die Hardwareanforderungen an das System und nicht immer bringt eine Aktualisierung dem Nutzer mehr Funktionen. Einige Hersteller integrieren überdies Funktionen bereits in ihre eigene Nutzeroberflächen, bevor Google diese für seine Smartphones- und Tablets mit der aktuellsten Version ausrollt.

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Android-Handys und Tablets: Der große Update-Fahrplan Thema Jede neue Version des Handy-OS Android enthält neue Features. Doch nicht alle Smartphones erhalten ein Update. Für welche Modelle eine Aktualisierungen verfügbar oder vorgesehen ist, verrät euch der Android-Update-Fahrplan von netzwelt. Jetzt anschauen

So bietet Samsung etwa schon seit Jahren einen Split-Screen zum Betrieb zweier Apps nebeneinander auf seinen Galaxy-Geräten an. Google hat das Feature erst mit Android 7.0 nativ im System verankert. Nicht immer bieten Geräte mit einer älteren Android-Version also automatisch weniger Funktionen als das aktuelle Android. Durch die Einführung der separaten Sicherheitspatches können die Hersteller zudem auch Sicherheitslücken ohne das Aufspielen eines Android-Updates schließen.

Die 15 besten Android-Handys 2017

15 Einträge

Hunderte von Android-Smartphones gibt es auf den Markt. Da fehlt die Kaufentscheidung schwer. Netzwelt stellt euch daher die aktuell 15 besten Android-Handys 2017 vor.

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  1. Gastkommentar · 

    Ohne den Artikel zu lesen, kann ich es euch sagen: Android muss auf viel mehr Geräten laufen, und dementsprechend angepasst werden..

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Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Mobile Computing, Android, Smartphone, Tablet-PC und Windows versehen.

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