Über Apple HomeKit: Smart Home, sicher und einfach

Durchbruch mit iOS 9

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von Michael Knott
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Apple HomeKit nimmt Fahrt auf - spätestens mit dem Release von iOS 9. Einblicke zum Stand der Dinge und viele Hintergrundinformationen zu Apples Smart Home-Plänen erhielten wir während eines Besuches in der europäischen Apple-Zentrale in London.

Ich tippe zweimal kurz auf meinen Hemdkragen: "Tür öffnen". Die Tür schwingt mit einem leichten Zischen auf, das an Star Trek erinnert und aus einem kleinen Lautsprecher an der Seite kommt. "Ich bin da, Siri". In der unteren Etage fährt das Licht hoch, entspannter Jazz ertönt.

HomeKit ermöglicht das einfache, sichere Einbinden unterschiedlichster Geräte und die Steuerung per iPhone, Apple Watch und Siri auch aus der Ferne.
HomeKit ermöglicht das einfache, sichere Einbinden unterschiedlichster Geräte und die Steuerung per iPhone, Apple Watch und Siri auch aus der Ferne.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist HomeKit?
  2. Smart Home - Stand heute
  3. Ein Freigehege wilder Tiere - Sicherheit
  4. Einrichten neuer Hardware unter Apple HomeKit
  5. Warum gibt es keine eigene Home-App von Apple?
  6. Siri, iOS 9 und watchOS 2
  7. tl;dr

Nur ich kann die Musik hören. Sie wird mithilfe von Richtlautsprechern auf mich projiziert. Auch die Stimme von Siri, Apples vom iPhone bekannte Digitalassistentin und auch Dreh- und Angelpunkt von HomeKit, kommt aus diesen Lautsprechern. Befinden sich mehrere Personen im Haus, bekommen diese auch ihre Ansagen nicht mit, sofern ich dies nicht möchte.

"Ich bin gerade eher in Fernsehstimmung", lasse ich Siri wissen. Die Rollläden fahren herunter, der Fernseher startet, und das Licht wird gedimmt. "Bier?", fragt Siri über die Lautsprecher. "Nein danke, heute nicht", antworte ich. Auf dem Weg zum Sofa ziehe ich eine Lichtspur hinter mir her und lasse mich schließlich in den Sessel sinken …

So ähnlich hat uns Apple die nahe Zukunft mit HomeKit versprochen. Okay - die Star Trek-Effekte und die Richtlautsprecher habe ich hinzugedichtet. Aber auch diese wären technisch locker machbar. Doch nach der vielversprechenden Ankündigung von HomeKit auf der WWDC im Jahr 2014 passierte eine gefühlte Ewigkeit erst einmal nicht viel. Über ein Jahr hat es gedauert, bis Hersteller die ersten HomeKit-fähigen Produkte wie Elgato Eve vorstellten.

Warum dauert das so lange, was ist da los? Um diese und andere drängende Fragen im Zusammenhang mit HomeKit zu klären, nehmen wir eine Einladung ins europäische Apple-Hauptquartier nach London an. Also: Let's talk about HomeKit!

Was ist HomeKit?

Gerade in Deutschland finden sich derzeit noch wenige "smarte" Häuser. Woran liegt das? Entsprechende Technik bieten Hersteller schließlich seit Jahren an.

Die Antwort auf diese Frage liefert die Definition von Apple HomeKit quasi frei Haus, denn bei HomeKit handelt es sich streng genommen um das erste allumfassende Framework eines großen Anbieters für das smarte Zuhause. Ein Standard, der bislang fehlte und von vielen Early Adoptern schmerzlich vermisst wurde.

Smart Home - Stand heute

Um das Haus der Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen, muss gewährleistet werden, dass sämtliche im Heimnetzwerk eingebundenen Geräte auf hohem Sicherheitsstandard miteinander kommunizieren können. Niemand legt sich abends beruhigt zu Bett in einem Haus, das prinzipiell von einem pickeligen 14-Jährigen im Handumdrehen gekapert und in eine Technik-Hölle verwandelt werden könnte.

Sicherheitsbedenken und fehlende einheitliche Standards - zwei Gründe, warum sich bislang eher Insellösungen einzelner Hersteller im Smart-Home-Markt tummeln. Kam ein neues Gerät hinzu, konnte dieses oft nicht in die bestehende Anlage eingebunden werden.

Elgato Eve im Hands-on

KNX, ZWave oder ZigBee sind bestehende Standards, die prinzipiell das herstellerübergreifende Kommunizieren von Geräten ermöglichen. Wer jedoch schon einmal versucht hat, einen ZWave-Schalter von Hersteller A mit einer Steckdose von Hersteller B zu koppeln, wird seinen Spaß gehabt haben. Standardübergreifend war dieses Szenario zudem stets auf zentrale Einheiten und Gateways angewiesen.

Der jungfräuliche Markt für Smart Home-Produkte war und ist durch fehlende Kompatibilität gekennzeichnet. Die meisten Hersteller versuchten bislang, auf einen Schlag den gesamten Markt mit eigenen Produkten zu bedienen - ein allumfassender Standard, der dem Nutzer mehr Vielfalt und Auswahlmöglichkeit beschert, ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht erwünscht. Das führt zu den merkwürdigsten Konstellationen: So stammt etwa das Smart Home-Kit das RWE anbietet von EQ-3 (Homematic), die Geräte können aber auf Grund minimaler Protokoll-Abweichungen nicht miteinander kommunizieren.

Ein Freigehege wilder Tiere - Sicherheit

Apple sah und sieht sich mit Problemen konfrontiert, deren Lösung Zeit erfordern. Viele dieser Probleme haben in der Tat mit Sicherheit zu tun. HomeKit kann man sich wie ein Freigehege mit vielen wilden Tieren vorstellen. Jedes Tier braucht spezielles Futter, brüllt in seiner eigenen Sprache. Doch betritt der Dompteur das Gehege, müssen alle auf Kommando einen Trick vollführen. Und es muss alles dafür getan werden, dass niemals jemand Unbefugtes ins Gehege gelangt.

Übersicht: Smart Home-Anbieter in Deutschland

Telekom, Gira, RWE: In dieser Übersicht findet ihr viele Anbieter von Komplettlösungen fürs smarte Zuhause.


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Also errichtet Apple Zäune. Und an diesen Zäunen biss sich im vergangenen Jahr der ein oder andere Hersteller wie man hört die Zähne aus. Der alte Kampf "Komfort gegen Sicherheit" - er tobt auch unter Apple HomeKit. Smart Home im Allgemeinen und eine unter Apple HomeKit eingebundene Gerätelandschaft im Speziellen müssen beides im hohen Maße bieten. Mit ein Grund, warum Hersteller die ersten Produkte mit HomeKit-Siegel erst jetzt anbieten.

Einrichten neuer Hardware unter Apple HomeKit

Um das dem "Made for iPhone"-Programm unterstellte Siegel zu erhalten, müssen Hersteller wie Philips oder Elgato nicht nur hohe Sicherheitsstandards erfüllen. Hardware und Software werden von Apple auf viele Punkte hin abgeklopft. Skeptiker führen Apples geschlossenes System oft als Kritikpunkt an, doch hat diese Vorgehensweise beim Thema Smart Home durchaus gewichtige Vorteile.

Jedes Gerät, das in das Smart Home eingebunden werden soll, verhält sich etwa beim Einrichtungsprozess ähnlich. Egal ob intelligentes Türschloss oder Funksteckdose: Immer signalisiert eine grün blinkende LED, dass versucht wird eine Verbindung herzustellen. Gibt es einen Knopf und wird dieser länger als zehn Sekunden gedrückt, signalisiert ein rotes Licht den forcierten Neustart.

Auch der Einrichtungsprozess neuer Hardware ist stets der gleiche: die passende App herunterladen, Gerät mit Strom versorgen, achtstelligen Sicherheitscode eingeben - kurze Zeit später ist der neue Teil des Smart Homes einsatzbereit und kann zum Beispiel von Siri adressiert werden. Der Name des Gadgets ist von nun an in allen Apps der gleiche. Das schafft Vertrauen und setzt die Hürde für Neuanschaffungen niedrig. Bei bislang etablierte Systemen konnten wir beobachten, dass der Kopplungsvorgang von Generation zu Generation unterschiedlich war.

Warum gibt es keine eigene Home-App von Apple?

Derzeit gibt es tatsächlich keine Apple-eigene "Home"-App. HomeKit findet ihr bestenfalls in den Einstellungen unter iOS (ab 8.1). Dies bedeutet nicht, dass ihr zur Steuerung der Geräte jeweils eine eigene App benötigt. Das Feld, eine einheitliche Oberfläche zur Steuerung des Smart Homes zu designen, überlässt Apple zunächst den App-Entwicklern, wie man uns im Gespräch mitteilt. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass in absehbarer Zukunft Apple selbst eine Art iTunes für Smart Home bereitstellen wird.

Siri, iOS 9 und watchOS 2

Das für Herbst angekündigte Update auf iOS 9 wird HomeKit einen ordentlichen Schub verpassen. Funktionen, die Smart-Home-Interessierte von ihrem "Haus der Zukunft" erwarten, werden erst dann so richtig Wirklichkeit. Zunächst bringt das iOS-Update die Unterstützung neuer Gerätegattungen mit sich:

  • Fensterrollläden
  • Türen
  • Alarmanlagen
  • Sensoren und Schalter

Diese gesellen sich zu den bereits bestehenden Kategorien:

  • Thermostate
  • Steckdosen
  • Sensoren für Luftqualität
  • Wetterstationen

Unter iOS 9 lassen sich zudem Geräte zu Gruppen zusammenfassen, die per Szenen abrufbar sind. Dann wird das eingangs erwähnte Szenario Wirklichkeit. Ihr sagt zum Beispiel: "Guten Morgen, Siri" - und anschließend öffnen sich die Rollläden, das Licht in der Küche geht an und die HomeKit-kompatible Kaffeemaschine heizt vor. Weitere per Siri abrufbare Standard-Szenen unter iOS 9 (Auszug) werden sein:

  • Das Haus verlassen (alle Geräte schalten sich aus, die Tür verriegelt sich, Alarmanlage wird aktiviert)
  • Nach Hause kommen (Tür entriegelt sich, Lichter gehen an)
  • Gute Nacht (alle Geräte schalten sich aus)

All diese Befehle könnt ihr ab watchOS 2 auch über eure Apple Watch einsprechen. Unter iOS 9 lassen sich zudem sogenannte Custom Trigger (eventbasierte Ereignisse) einrichten. Sobald beispielsweise ein an der Tür angebrachter Sensor erkennt, dass die Tür geöffnet wurde, schaltet HomeKit automatisch das Radio ein. Weiteres Beispiel: Immer wenn die Sonne aufgeht, fahren im Wohnzimmer die Jalousien herunter.

Wetterstation von Netatmo, abrufbar mit dem iPhone. Der Hersteller setzt auch auf HomeKit.
Wetterstation von Netatmo, abrufbar mit dem iPhone. Der Hersteller setzt auch auf HomeKit. (Quelle: Netatmo)

Unter iOS 8 ist es aktuell nur für Besitzer eines Apple TVs der dritten Generation möglich, aus der Ferne auf HomeKit-fähige Geräte zuzugreifen und deren Status abzufragen. Auch dies wird sich mit iOS 9 ändern. Dann ersetzt iCloud Apple TV als Hub. Die Verbindung zwischen iPhone und HomeKit-Gerät erfolgt dabei über eine sichere Ende-zu-Ende-verschlüsselte Verbindung über das neu eingerichtete "HomeKit Accessory Protocol". Zudem können Geräte ihren Status übermitteln. Im Büro erhaltet ihr dann eine Meldung auf euer iPhone, wenn jemand die Tür öffnet.

tl;dr

HomeKit unter iOS 9 ermöglicht das einfache, sichere Einbinden unterschiedlichster Geräte und die Steuerung per iPhone, Apple Watch und Siri auch aus der Ferne. Dritthersteller unterliegen strengen Auflagen bezüglich Sicherheit und Bedienung. Bislang gibt es kein vergleichbares Framework, das einen ähnlichen Funktionsumfang bietet.

Hinweis: Der Flug nach London zu Apple Europe wurde vom Hersteller übernommen. Mehr dazu findet ihr in unseren Transparenzrichtlinien.

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Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Computer, Business, Apple, Apple Siri, Raumplaner & Grundrisse zeichnen, Smartwatch, Apple Watch, Betriebssysteme, Hersteller-Verzeichnis, Apple HomeKit, Apple iOS 9 und Smart Home-Zubehör versehen.

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