Huawei P9 im Test: Smartphone mit Leica-Kamera

Wie gut schlägt sich die Dual-Kamera in der Praxis?

Huawei P9 - Titelbild

Huawei ist aktuell die Nummer 3 im Smartphone-Markt. Mit dem Huawei P9 will der chinesische Hersteller den Druck auf Samsung und Apple weiter erhöhen. Dafür kooperiert man mit dem deutschen Kamera-Spezialisten Leica. Dessen Know-how und zwei Kameralinsen sollen die Smartphone-Fotografie auf das nächste Level heben. Unser P9-Test verrät, ob dies gelingt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kamera
  2. Design und Verarbeitung
  3. Ausstattung, Leistung und Bedienung
  4. Sprachqualität und Akkulaufzeit
  5. Varianten
  6. Preis und Verfügbarkeit
  7. Fazit & Alternativen
  8. Datenblatt

Das Huawei P8 begeisterte Nutzer im vergangenen Jahr mit seinen Low-Light-Fähigkeiten, auch beim Nachfolger P9 rückt die Kamera wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Und das nicht nur, weil sich der chinesische Hersteller bei der Entwicklung den traditionsreichen deutschen Kameraherstellers Leica mit ins Boot geholt hat.

Neben dieser prestigeträchtigen Kooperation bietet das Huawei P9 auch ein Feature das seit geraumer Zeit für das iPhone 7 gehandelt wird: eine Dual-Kamera. Was verbirgt sich dahinter? Statt einer Kameralinse weist das P9 zwei Kameralinsen auf der Rückseite auf. Ungewöhnlich - aber keine Premiere. Eine entsprechende Kamera verbaute die Huawei-Tochter Honor bereits 2014 im Honor 6 Plus und auch LG nutzt bei seinem aktuellen Top-Smartphone LG G5 ein entsprechendes Set-up - jedoch zu einem gänzlich anderen Zweck.

Das Honor 6 Plus war das erste Smartphone mit Dual-Kamera.
Das Honor 6 Plus war das erste Smartphone mit Dual-Kamera. (Quelle: Huawei)

Während die Dual-Kamera des LG G5 dem Nutzer es ermöglicht in ein Bild hinein beziehungsweise hinaus zu zoom, dient die zweite Kameralinse beim Huawei P9 zur Verbesserung der Bildqualität. Denn beide Linsen sind nicht gleichwertig. Während eine Kameralinse ein Farbfoto aufnimmt, handelt es sich bei der anderen Kameralinse um eine Monochrom-Kamera im Stil der Leica M. Die Informationen aus der monochromen Aufnahme sollen die Detailgenauigkeit der gemachten Bilder verbessern.

Dazu werden die Bilder beider Kameralinsen nach einem speziellen Algorithmus kombiniert. Hier kommt das Know-how von Leica ins Spiel, die Hardware stammt dagegen nicht aus Wetzlar. Als Kamerasensor kommt beim P9 der Sony-Chip IMX286 zum Einsatz. Die Linsen stammen vom chinesischen Zulieferer Sunny Optical Technology und wurden lediglich von Leica zertifiziert.

Kamera

Genug der Vorrede, wie schlägt sich die Dual-Kamera des P9 in der Praxis? Überraschend gut. Während Top-Smartphones anderer chinesischer Hersteller, zum Beispiel das OnePlus 3, oftmals bei der Kamera hinter das iPhone 6S oder das Galaxy S7 zurückfallen, kann sich das Huawei P9 hier behaupten. Farbdarstellung, Detailreichtum und Dynamikumfang bewegen sich auf überdurchschnittlichen Niveau. In den Schatten stellt das Huawei P9 die Konkurrenz aber nicht. Von einer "Revolution der Smartphone-Fotografie" zu sprechen, wäre übertrieben. Dies war zuletzt dem Nokia 808 vorbehalten.

Huawei P9 Kamera-Samples

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Dennoch bietet das Huawei P9 für Fotofans einige nette Gimmicks. So lässt sich wahlweise auch nur ein Monochrom-Foto aufnehmen - dies empfiehlt sich unter anderem bei der Verwendung des digitalen Zooms, da in diesem Fall Bildrauschen nicht so stark sichtbar ist wie bei Farbaufnahmen. Diese Effekte lassen sich mit entsprechenden Apps aber auch in der Postproduktion auf anderen Smartphones realisieren.

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Exklusiver ist dagegen die Möglichkeit bei einer Fotoaufnahme nicht mit der Foto-LED zu blitzen, sondern das Licht permanent einzuschalten - wie ihr es vom Filmen mit dem Smartphone kennt. Das führt meist zu einer deutlich besseren Ausleuchtung der Szenerie (siehe Mediengalerie). Die Funktion gibt es jedoch nicht nur auf dem Huawei P9, sondern auch auf anderen Top-Modellen des Herstellers wie etwa dem Mate 8.

Dank dem Profimodus können Nutzer vielfältig Einfluss auf die Bildgestaltung nehmen - sogar RAW-Aufnahmen sind möglich. Schön: Trotz der Optionsvielfalt ist die Kamera-App übersichtlich gestaltet. Nur die wichtigsten Features sind permanent eingeblendet, die weiteren Optionen jedoch meist nur einen Fingerwisch entfernt. Störend waren allenfalls die kleinen Button am oberen Bildrand - wie etwa das Blitzsymbol. Diese fallen für unseren Geschmack etwas zu klein aus, so dass wir im Test oftmals mehrere Anläufe benötigten um die Funktion per Touch auszuwählen. Video-Fans werden zudem die Möglichkeit vermissen in 4K zu filmen. Gefühlt wirkte das Smartphone bei Serienaufnahmen auch langsamer als die Konkurrenz.

Design und Verarbeitung

Was hat das Huawei P9 abseits der Kamera zu bieten? Auf den ersten Blick hat der chinesische Hersteller nicht viel geändert. Doch der Schein trügt. Das Design stammt zwar vom P8 Huawei hat jedoch ein Feintuning vorgenommen. So wurden die Kanten des Gehäuses leicht abgerundet. Dadurch schmiegt sich das P9 angenehm in die Hand, während der scharfkantige Vorgänger eher dem Nutzer ins Fleisch schnitt. Zudem ist das Gehäuse auch etwas schmaler geworden und lässt sich so leichter umgreifen.

Weitere Detailunterschiede: Der Einschalter fällt gegenüber dem P8 größer aus und lässt sich dadurch deutlich besser ertasten. Statt zweier SIM-Slots verbaut Huawei nun nur noch einen kombinierten Slot für SIM- und Speicherkarte, dadurch wird der Gehäuserahmen nicht so oft unterbrochen, was das Smartphone eleganter wirken lässt. Einziger Wermutstropfen: Der Kopfhöreranschluss wandert vom oberen Rand an die Unterseite. Das ist im Alltag mitunter unpraktisch und dürfte daher nicht jedem Nutzer gefallen.

Ausstattung, Leistung und Bedienung

In Sachen Ausstattung bietet das Huawei P9 das, was man von einem Top-Smartphone 2016 erwarten darf. So weist das P9 nun auf der Rückseite einen Fingerabdruckscanner zum schnellen Entsperren des Geräts auf. Den kennen Huawei-Fans bereits von der Mate-Serie. Er arbeitet im Huawei P9 genauso zuverlässig wie vom Mate S und Mate 8 gewohnt.

Abstriche müssen Nutzer in Sachen Performance und Displayauflösung machen. Der verbaute Octa-Core-Prozessor Kirin 955 ist in unserem Benchmark-Test ein paar Prozentpunkte langsamer als die Konkurrenzprodukte Snapdragon 820 und Exynos 8890, die im HTC 10 und im Galaxy S7 werkeln. Im Alltag werden Nutzer dies jedoch wohl ebensowenig bemerken, wie die niederige Displayauflösung des 5,2-Zoll-Bildschirms. Der Screen des Huawei P9 löst nämlich wie beim iPhone 6S Plus nur in Full HD auf, die übrige Konkurrenz setzt auf ein QHD-Bildschirm.

Beim USB-Anschluss ist Huawei dagegen schon topmodern. Der chinesische Hersteller verbaut ein USB Typ C-Anschluss. Für Nutzerdaten stehen euch ab Werk knapp 25 Gigabyte des 32 Gigabyte großen Gerätespeichers zur Verfügung. Bei Bedarf lässt sich dieser per microSD-Karte erweitern. Apps lassen sich auf diese jedoch nicht auslagern. Auch das Verschmelzen der Speicherbereiche unterstützt das Huawei P9 nicht. Das Marshmallow-Feature Adoptable Storage hat Huawei aus dem System gestrichen.

Hoffen auf schnellere Updates

Überhaupt nimmt das Unternehmen wie gehabt viele Änderungen an Googles Handy-OS vor. Android sieht auf dem Huawei P9 eher aus wie iOS. Ein App-Drawer fehlt etwa. Dafür bietet das von Huawei auf den Namen EMUI getaufte Interface viele Individualisierungsoptionen, die man sonst nur von Cyanogen OS kennt. So lässt sich etwa das Aussehen der Statusleiste beeinflussen.

Die umfangreichen Änderungen am System führten in der Vergangenheit dazu, dass Huawei Android-Updates mit reichlich Verspätung auslieferte. Dies könnte sich beim P9 ändern. So kursiert im Netz bereits eine frühe Testversion von Android 7.0 für das Huawei P9.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität des Huawei P9 bewegt sich auf hohem Niveau. Die an Ober- und Unterseite verbauten Mikrofone reduzierten in unserem Testszenario Nebengeräusche nahezu vollständig. Auto, Wind und der Lärm des Hamburger Hafens waren höchstens unterschwellig als leichtes Brummen zu hören. Dies geht jedoch etwas zur Lasten der Natürlichkeit der eigenen Stimme. Die Gesprächspartner klingen dafür klar und natürlich.

Huawei P9 im Test

Betrieben wird das Huawei P9 mit einer Nano-SIM-Karte. Ältere größere SIM-Karten müssen zugeschnitten werden. Leider lässt sich der Speicherkartenslot nicht wahlweise zu einem zweiten SIM-Kartenslot umfunktionieren.

Huawei verbaut im P9 einen 3.000-Milliamperestunden-Akku. Dieser kann nicht vom Nutzer gewechselt werden. Trotz der üppigen Kapazität dürftet ihr das P9 abends in der Regel wieder an die Steckdose hängen müssen. Hier muss es zudem länger verweilen als die Konkurrenz, eine Vollladung dauert knapp zwei Stunden. Kein Vergleich zum Dash Charge-Feature des OnePlus 3. Ein Fast Charge-Modus ist offiziell nur dem Huawei P9 Plus vorbehalten, wer dem regulären Modell beim Laden Beine machen will, muss sich ein Huawei Fast Charger besorgen. Diesen bekommt ihr auf Amazon aktuell für knapp 30 Euro.

Varianten

Huawei bietet das P9 auch als Lite-Modell ohne Dual-Kamera und als Plus-Variante mit größerem Screen an. Nachfolgend findet ihr Links zu den jeweiligen Testberichten:

Preis und Verfügbarkeit

Die unverbindliche Preisempfehlung für das Huawei P9 lautete im April 569 Euro, inzwischen ist der Preis für das Smartphone deutlich gefallen. Nachfolgend findet ihr einen Überblick über die Angebote verschiedener Händler. Alternativ könnt ihr das Huawei P9 auch vergünstigt zusammen mit einem Mobilfunkvertrag kaufen, wir haben entsprechende Angebote für euch verglichen.

Huawei P9: Fazit

Gutes Kamera-Smartphone, keine Revolution 8.4/10

Huawei präsentiert mit dem Huawei P9 wieder eine günstigere Alternative zu den Top-Modellen von Apple und Samsung. Vor allem in Sachen Design hat sich der Hersteller noch einmal gesteigert. Die Dual-Kamera liefert gute Bilder - eine Revolution der Smartphone-Fotografie ist sie nicht. Schade ist, dass Huawei beim P9 auf Quasi-Standards wie 4K-Videoaufnahmen oder Quick Charge verzichtet.

Das hat uns gefallen

  • Dual-Kamera
  • schickes Design

Das hat uns nicht gefallen

  • mäßige Akkulaufzeit
  • keine 4K-Videos
  • kein Quick Charge
Testnote 8,4 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
10 / 10
Design und Verarbeitung
9,0 / 10
Ausstattung und Bedienung
8,0 / 10
Sprachqualität
6,0 / 10
Akkulaufzeit
9,0 / 10
Multimedia
Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise von Huawei zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

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9
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Huawei P9 verglichen

Ihr seid euch unsicher, ob ihr das Huawei P9 kaufen oder lieber zu einem Konkurrenzprodukt greifen solltet? Die folgenden Vergleichstests helfen euch bei der Kaufentscheidung. Wir stellen hier das Huawei P9 seinen schärfsten Konkurrenten gegenüber.

Bestenlisten

Huawei P9 wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

Huawei P9 - Specs: Die technischen Daten im Überblick

Die nachfolgende Tabelle zeigt euch die wichtigsten technischen Daten des Huawei P9 im Überblick. Eine detaillierte Auflistung findet ihr im technischen Datenblatt, um das Huawei P9 mit anderen Smartphones zu vergleichen besucht unseren Handy-Vergleich.

Prozessor HiSilicon Kirin 955
Display LCD IPS Color (16M) 1080x1920px (5.2") 424ppi
RAM 3 GB
Gerätespeicher 32 GB
Akku 3.000 Milliamperestunden
Hauptkamera 12 Megapixel
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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Testbericht, Smartphone, Huawei und Huawei P9.

Das Huawei P9 wurde ursprünglich mit Android 6.0.0 "Android M" ausgeliefert. Mittlerweile ist für das Huawei P9 die Version 7.0.0 "Android Nougat" verfügbar.

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