Huawei Mate RS im Test: Das Galaxy S9, wie es hätte sein sollen

Porsche Design-Handy ausprobiert

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von Jan Kluczniok
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Huawei Mate RS Titelbild

Teurer als das iPhone Xs Max und innovativere Features als das Galaxy S9. So lässt sich das von Huawei zusammen mit Porsche Design entwickelte Mate RS beschreiben. Unser Test verrät, ob sich die knapp 1.700 Euro für das Handy mit Fingerabdrucksensor im Display und Triple-Kamera lohnen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design
  2. Fingerabdrucksensor im Screen
  3. Verarbeitung
  4. Display
  5. Ausstattung und Performance
  6. Software
  7. Sprachqualität
  8. Akkulaufzeit
  9. Kamera
  10. Preis und Verfügbarkeit
  11. Fazit & Alternativen
  12. Datenblatt

Im Windschatten des viel gefeierten P20 Pro bewegt sich in Huaweis Produktportfolio das Mate RS. Das in Zusammenarbeit mit Porsche Design entwickelte Smartphone wurde zum Marktstart im Frühjahr 2018 aufgrund der unverbindlichen Preisempfehlung von 1.695 Euro von vielen als Luxus-Gadget abgetan, zumal es zunächst nur in den Porsche Design Stores erhältlich war.

Mittlerweile sind Preise jenseits der 1.000-Euro-Marke für Top-Handys aber die Regel und es gibt das Mate RS mit Vertrag auch bei 1&1 zu kaufen. Höchste Zeit also, einen näheren Blick auf das Gerät zu werfen. Ob das Mate RS sein Geld wert ist und warum das Smartphone so teuer ist, erfahrt ihr im folgenden Video oder in den nachfolgenden Zeilen.

Huawei Mate RS im Video

Das Mate RS ist nicht das erste Smartphone, das Huawei und Porsche Design zusammen entworfen haben. Bereits vom 2016 veröffentlichten Mate 9 gab es eine Porsche Design Edition.

Design

Damals wie heute unterscheidet sich diese optisch stark vom Original. Wie Samsungs Note 9 besitzt das Mate RS an beiden Seiten gebogene Glasflächen, was auf der Front dazu führt, dass ein Teil des Displays ebenfalls zur Seite abfällt, wodurch Bildschirminhalte wie Texte den Effekt erhalten, vom Displayrand herunterzulaufen. Damit sieht das Mate RS cool aus, leider weist das Handy dadurch aber auch dieselben negativen Eigenschaften auf, wie die aktuellen Galaxy Top-Modelle von Samsung. In den abknickenden Displayrändern kommt es mitunter zu Lichtreflexionen, die beim Video schauen oder Spielen stören können. Das Gerät ist zudem alles andere als griffig.

Das Mate 9 in der Porsche Design Edition.
Das Mate 9 in der Porsche Design Edition. (Quelle: netzwelt)

Ein weiterer großer Unterschied zum P20 Pro ist die fehlende Einkerbung im oberen Bereich des Bildschirms. Gegen die Integration einer solchen in der Branche auch häufig als Notch bezeichneten Einschnitts hat sich Porsche Design massiv gewehrt, da dieser die Ästhetik und die Symmetrie des Geräts stören würde. Notch-Hasser wird es freuen und auch wir vermissten die Einkerbung im Test nicht.

Fingerabdrucksensor im Screen

Dritter und letzter großer Unterschied in Sachen Design zum P20 Pro ist die Position des Fingerabdrucksensors. Beim P20 Pro befindet sich dieser auf der Frontseite unterhalb des Displays, beim Mate RS wurde er auf die Rückseite verlagert. So scheint es zumindest. Tatsächlich weist das Handy hier zwar einen voll funktionsfähigen Fingerabdruckscanner auf, der wie von früheren Mate-Modellen gewohnt zuverlässig funktioniert. Zusätzlich befindet sich aber noch ein weiterer Sensor auf der Front. Dieser ist in den Bildschirm integriert.

Ein solcher "In-Display-Fingerprintsensor" war lange Zeit für das Galaxy S9 und Note 9 gehandelt worden. Samsung musste die Idee wegen Produktionsproblemen aber verwerfen. Daher waren wir skeptisch, ob Huawei uns hier nicht zuviel verspricht. Zumal der Sensor beim Launch des Smartphones im Frühjahr noch deaktiviert war. Tatsächlich funktioniert die Technik im Test aber bereits gut. Ein Fingerabdruck zeigt euch auf dem Sperrbildschirm auch bei abgeschalteten Bildschirm die Position des Sensors an. Im Vergleich mit herkömmlichen Sensoren müsst ihr aber deutlich mehr Druck ausüben, damit der Display-Fingerabdrucksensor reagiert.

Huawei Mate RS in Bildern

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Ein weiteres Manko: Registriert ihr auf der Front- oder Rückseite einen Fingerabdruck, müsst ihr diesen noch einmal für den anderen Sensor registrieren. Laut Huawei werden die Abdruckdaten der beiden Sensoren in unterschiedlichen Speichersegmenten abgelegt, weshalb eine doppelte Registrierung vonnöten ist. Besonders nutzerfreundlich ist diese Lösung nicht.

Verarbeitung

In Sachen Verarbeitung gibt sich das Mate RS, wie bei diesen Preis auch zu erwarten, keine Blöße. Der Rahmen ist aus Aluminium gefertigt, die Rückseite besteht wie die Front aus kratzfestem Glas. Gemäß IP67 ist das Handy gegen Staub und Wasser inklusive zeitweisem Untertauchen geschützt. Alle Taster am Rand weisen einen klaren Druckpunkt auf. Nichts klackert oder wackelt und auch verwinden ließ sich das Mate RS im Test nicht.

Fingerabdrücke sind auf dem Glasrücken aber natürlich zu sehen und besonders griffig ist die Rückseite des Mate RS auch nicht. Gegen beides hilft aber das beiliegende Leder-Flipcover, das dem Handy zusätzlich noch das gewisse Etwas verleiht.

Display

Während Huaweis Top-Modelle bislang stets mit einem Full HD-Bildschirm in den Handel kamen, setzt der chinesische Hersteller bei den Porsche Design-Handys auf einen QHD-Bildschirm. Dies ist beim Mate RS nicht anders. 2.880 x 1.440 Pixel verteilt auf einer Bilddiagonale von 6,0 Zoll sorgen für eine messerscharfe Darstellung.

An der Farbdarstellung, der Helligkeit und den Blickwinkeln haben wir nichts auszusetzen. Allerdings wird der gute Gesamteindruck ein wenig getrübt. Wer nämlich genau hinsieht, kann beim Mate RS die granulare Display-Struktur durchschimmern sehen. Offenbar setzt Huawei beim Display auf einen P-OLED-Screen. Bei Geräten mit entsprechenden Bildschirm tritt dieses Problem häufig auf.

Ausstattung und Performance

Sieht man vom Display ab, findet sich im Inneren des Mate RS dieselbe Hardware wie im P20 Pro wieder. Als Prozessor fungiert also der Kirin-Chip 970. Dieser verfügt zwar über einen Co-Prozessor mit künstlicher Intelligenz für Sprach- und Bilderkennung, von der reinen Rechenleistung bewegt sich das Handy aber auf dem Niveau von Top-Smartphones aus dem Jahr 2017.

Benchmark/Handy Huawei Mate RS Apple iPhone X Samsung Galaxy Note 9 OnePlus 6
GeekBench (Single-Core) 1.902 Punkte 4.265 Punkte 3.595 Punkte 2.448 Punkte
GeekBench (Multi-Core) 6.773 Punkte 10.292 Punkte 9.058 Punkte 9.071 Punkte
AnTuTu 208.671 Punkte 246.465 Punkte 247.814 Punkte 264.828 Punkte

Zur Messung der Leistungsfähigkeit verwenden wir die Apps AnTuTu und Geekbench. Das AnTuTu-Benchmark prüft nicht nur die Leistungsfähigkeit des Prozessors, auch andere Smartphone-Komponenten wie die Grafikeinheit oder der Arbeitsspeicher werden getestet. GeekBench testet vornehmlich die Prozessorleistung des Smartphones. Dabei wird zum einem die Performance mit einem einzelnen aktivierten Rechenkern (Single-Core) und mit allen aktivierten Kernen (Multi-Core) getestet. Je höher die Punktzahl ausfällt, desto besser ist das jeweilige Ergebnis.

Üppig fällt nicht nur der Arbeitsspeicher mit 6 Gigabyte aus, sondern auch der Gerätespeicher. Diesen hat Porsche Design im Vergleich zum P20 Pro verdoppelt. Euch stehen also satte 256 Gigabyte zur Verfügung. Erweitern könnt ihr den Speicher aber nicht. Die weitere Ausstattung kann sich ebenfalls sehen lassen, wir vermissen lediglich Bluetooth 5.0. Das Mate RS unterstützt nur den älteren Standard Bluetooth 4.2.

Software

Ab Werk läuft das Mate RS mit Android 8.1, das Huawei mit seiner hauseigenen Nutzeroberfläche EMUI 8 überzogen hat. Diese verleiht Googles Handy-OS das Look and Feel von Apple iOS. Ein Update auf Android 9.0 Pie dürfte noch in diesem Jahr erscheinen. Allerdings nimmt es Huawei offenbar mit den regelmäßigen Sicherheitspatches nicht so genau. Während für unser P20 Pro bereits der August-Patch verfügbar war, wies das Mate RS auch am Ende unseres Testes immer noch das Patch-Level von Mai 2018 auf.

Sprachqualität

Im Test überzeugt das Huawei Mate RS mit einem vollen und voluminösen Klang. In ruhigen Umgebungen erreicht das Handy fast schon Festnetzqualität. Bewegt ihr euch an einer viel befahrenen Straße wird auch Autolärm weitestgehend ausgeblendet. Ist es draußen windig, drückt dies aber merklich auf die Sprachqualität. Das Mate RS ist ein Dual-SIM-Handy. Beide SIM-Karten können dabei den schnellen Datenfunk LTE nutzen.

Akkulaufzeit

Auch die Batterie hat sich das Mate RS vom Huawei P20 Pro geliehen. Der chinesische Hersteller verbaut auch im Porsche Design-Handy einen Akku mit einer Kapazität von 4.000 Milliamperestunden. Im Test enttäuschte diese jedoch. Mit PCMark ermittelten wir eine Laufzeit von 8 Stunden und 29 Minuten. Das ist zwar ein ordentlicher Wert, mit einer Akkuladung solltet ihr problemlos auch durch einen längeren Tag kommen, doch das P20 Pro schnitt im Vergleich deutlich besser ab. Hier maßen wir im Test eine Laufzeit von fast zehn Stunden.

Die schwächere Laufzeit könnte unter anderem aus dem höher auflösenden Screen des Mate RS oder den Fingerabdrucksensor im Display resultieren. Dies ließ sich im Test nicht abschließend klären. Ist das Handy einmal leer, lädt der Akku dank Huawei SuperCharge schnell wieder auf. Ein vollständiger Ladezyklus dauert knapp 90 Minuten. Statt an der Steckdose könnt ihr das Mate RS auch drahtlos laden. Dann dauert der Ladevorgang aber deutlich länger. Das Mate RS ist übrigens das erste Huawei-Handy, das Wireless Charging unterstützt.

Kamera

Huawei verbaut im Mate RS dieselbe Triple-Kamera wie im P20 Pro. Das Kamera-Trio, bestehend aus einem 40-, 20- und 8-Megapixel-Sensor, wurde in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt und sorgt für beeindruckende Bilder, egal ob bei Tag oder bei Nacht. Noch dazu könnt ihr dank der Kombination aller drei Linsen ein Motiv fünfmal verlustfrei näher heranzoomen. In der folgenden Mediengalerie könnt ihr euch ein eigenes Bild von der Qualität der Kameras des Mate RS machen.

Preis und Verfügbarkeit

Das Mate RS ist seit April im Handel erhältlich. Das Smartphone wird offiziell nur in den Geschäften von Porsche Design verkauft. Zudem bietet 1&1 das Handy mit einem Laufzeitvertrag in Deutschland an. Inzwischen führen aber auch zahlreiche Online-Händler das Gerät und unterbieten hier sogar die unverbindliche Preisempfehlung von 1.695 Euro.

Huawei Mate RS: Fazit

Innovativ, aber zu teuer 8.6/10

Das Mate RS ist ein schickes und innovatives Smartphone. Features wie einen Fingerabdrucksensor im Bildschirm oder eine Triple-Kamera hätten wir uns für das Galay S9 gewünscht. Dennoch fällt der Preis aus unserer Sicht etwas zu hoch aus. Bei einem Preis von 1.700 Euro wollen wir nicht auf Bluetooth 5.0 und eine Top-Position bei AnTuTu verzichten. Wer das Porsche Design-Handy im Handel günstiger findet oder auf einen gutes Angebot mit Laufzeitvertrag stößt, darf jedoch getrost zuschlagen.

Das hat uns gefallen

  • Triple-Kamera
  • Fingerabdrucksensor im Display
  • Wireless Charging

Das hat uns nicht gefallen

  • Fingerabdrucksensoren arbeite nicht zusammen
  • Performance auf Niveau des Vorjahres
  • kein Bluetooth 5.0
  • hohe unverbindliche Preisempfehlung
Testnote 8,6 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
9,0 / 10
Design und Verarbeitung
8,0 / 10
Ausstattung und Bedienung
8,0 / 10
Sprachqualität
8,0 / 10
Akkulaufzeit
10 / 10
Multimedia
Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt von Huawei für zwei Wochen zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

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8
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Bestenlisten

Huawei Mate RS wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

Huawei Mate RS - Specs: Die technischen Daten im Überblick

Die nachfolgende Tabelle zeigt euch die wichtigsten technischen Daten des Huawei Mate RS im Überblick. Eine detaillierte Auflistung findet ihr im technischen Datenblatt, um das Huawei Mate RS mit anderen Smartphones zu vergleichen besucht unseren Handy-Vergleich.

Prozessor Huawei HiSilicon KIRIN 970
Display OLED Color (16M) 1440x2880 px (6.0") 537ppi
RAM 6 GB
Gerätespeicher 256 GB
Akku 4.000 Milliamperestunden
Hauptkamera 10 Megapixel
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  1. Rainer Berger · 

    Wenn das RS dieselbe Kamera wie das P20 pro hat, dann spielt es nicht in der Liga des Galaxy 9+, Note 9 oder iPhone X, die alle 4k/60 FPS und optische Bildstabilisatoren haben. Die 4k Videos zumindest des P20 pro sind völlig unbrauchbar, wie ich erstaunt feststellen musste, selbst das Mate 9 pro war geringfügig besser.

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Smartphone, Huawei und Huawei Mate RS.

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