GRID Autosport im Test: Gut gemischt = halb gewonnen

Auf der Überholspur…blockiert?!

von Mathias Müller

Die ersten beiden Teile der GRID-Serie konnten unterschiedlicher kaum sein: Während sich der Erstling als Rennsimulation präsentierte, driftete der Nachfolger deutlich mehr auf die Arcade-Schiene ab. Mit dem neusten Ableger Autosport vermischt Codemasters die Rezepte, um das Beste beider Welten zu vereinen, überzeugt aber dennoch nicht auf ganzer Strecke.

Der Weg, den Codemasters vor knapp einem Jahr mit GRID 2 einschlug, löste bei vielen Fans des Erstlings nur unverständliches Kopfschütteln aus. Statt einer waschechten Rennsimulation bekamen sie einen arcadigen Fun-Racer à la Need for Speed vorgesetzt. Mit dem neusten Ableger der Serie sehen die Entwickler von einem erneuten U-Turn ab und wählen den Mittelweg. Mit Erfolg?

PS3, Xbox 360 und PC | Rennspiel | Spielzeit: 20+ Stunden | ab 27. Juni | ca. 50 Euro |
PS3, Xbox 360 und PC | Rennspiel | Spielzeit: 20+ Stunden | ab 27. Juni | ca. 50 Euro | (Quelle: Bandai Namco)

Ganz klar, GRID 2 war beileibe kein schlechtes Rennspiel. Doch das Fehlen von Cockpitperspektive und Tuning-Möglichkeiten verschreckte einige Anhänger der ersten Stunde. Dass genau diese Dinge mit GRID Autosport eine Rückkehr feiern, und auch das Fahrverhalten wieder deutlich mehr an den Simulationsaspekt angepasst werden kann, muss ein gutes Zeichen sein - wenn es an der Umsetzung nicht stellenweise hapern würde.

Womit fange ich an?

Das neuste GRID macht direkt nach dem Start der Einzelspielerkarriere deutlich: Hier gibt's einiges zu tun! Pro Rennsaison stehen fünf verschiedene Wettbewerbe mit vorgefertigten Events und Cups zur Auswahl. Darunter klassische Touring-Veranstaltungen, bei denen ihr zunächst um einen guten Startplatz im Qualifying kämpft, um später im Rennen bessere Chancen auf den Sieg zu haben. Im Endurance-Modus ist dagegen Konzentration gefragt, denn die Langstreckenrennen dauern nicht nur länger als 30 Minuten, auch der Reifenverschleiß muss beachtet werden. In der Kategorie "Tuner" kommen Zeitfahr- und Drift-Events hinzu, die für Abwechslung sorgen. Habt ihr in den fünf Wettbewerben ausreichende Erfahrungen gesammelt, schaltet ihr den ultimativen GRID-Modus frei, der neue Herausforderungen bereithält.

Bevor ihr jedoch eine neue Rennsaison startet, müsst ihr Angebote von verschiedenen Teams checken. Einige haben deutlich höhere Ansprüche und wollen zum Beispiel in der Teamwertung möglichst einen Platz auf dem Treppchen, dafür belohnen sie euch mit mehr Erfahrungspunkten. Auch das Erfüllen von Sponsorenzielen, wie die schnellste Runde im Rennen abzuliefern, versorgt euch mit den wertvollen Punkten, um im Fahrerlevel aufzusteigen. Leider ist Erfahrung die einzige Ressource im Spiel, die ihr sammeln dürft. Geld, um sich Autos in die eigene Garage zu stellen und im Optimalfall noch zu individualisieren, fehlt komplett. Dadurch seid ihr immer von den Autos abhängig, die das jeweilige Team gerade anbietet. Ein Motivationsbruch in der Karriere, die dadurch zu steril ausfällt, obwohl sie mit vielen Events, Boliden und Kursen eine Menge Spielzeit zu bieten hat.

In der Street-Challenge fahrt ihr durch enge Straßen der Innenstadt.
In der Street-Challenge fahrt ihr durch enge Straßen der Innenstadt. (Quelle: Bandai Namco)

Back to the roots

Entscheidend für ein Rennspiel ist im Normalfall der Spaß auf der Strecke. Hier orientiert sich Codemasters wieder mehr am ersten Teil der Serie und bietet dem Spieler einige Einstellungsmöglichkeiten. Vor dem Rennen dürft ihr endlich wieder am Tuning feilen und diverse Verbesserungen an eurer Karre vornehmen. Wer beim Schwierigkeitsgrad Optionen wie Lenkhilfe oder ABS deaktiviert, bekommt auch ein deutlich simulationsorientierteres Fahrgefühl geboten als im Vorgänger. Anfänger hingegen können sich eine optimale Rennlinie anzeigen lassen oder das Schadensmodell auf lediglich optische Natur einstellen. Letzteres ist nicht nur schick anzuschauen, sondern sorgt bei voller Aktivierung schnell dafür, dass euer Gefährt nach wenigen Crashs nur noch schwer auf der Strecke zu halten ist.

Apropos Crashs: Die an sich gute künstliche Intelligenz eurer Konkurrenten verwickelt euch nicht selten in völlig unnötige Karambolagen, die für Ärger sorgen. Glücklicherweise gibt es nach wie vor die Möglichkeit, das Geschehen um ein paar Augenblicke zurückzuspulen, um zeitkostende Berührungen mit dem Gegner zu umgehen - gut so, denn sonst wäre der ein oder andere Controller-Flug wohl vorprogrammiert. Da ihr in GRID Autosport mittlerweile im Team unterwegs seid, habt ihr auch einen KI-Kollegen auf der Strecke, dessen Fahrverhalten sich per Tastendruck einstellen lässt. Zumindest in der Theorie, denn ein Unterschied ist zwischen aggressiver und defensiver Ansage nicht festzustellen.

GRID Autosport: Screenshots

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Verwaschene Tachonadel

Wie bereits erwähnt, feiert die Cockpitperspektive ihr langerwartetes Comeback. Doch statt haargenauer Nachbildung der Armaturen, die bei Rennsportfans sicher viel zur Atmosphäre beiträgt, bietet das Spiel abseits der Strecke einen derart übertriebenen Unschärfefilter, dass sich kaum jemand daran erfreuen wird. "Keine Lust"- und "Keine Zeit"-Vorwürfe von alteingesessenen Fans wird sich Codemasters spätestens dann anhören dürfen, sobald jemand bemerkt, dass einige der Strecken aus den Vorgängern kopiert wurden. Klar, die Kurse sind zum großen Teil klasse, für Kenner der Serie aber herausforderungsfrei.

Ein weiteres Thema für die Kategorie "kurios" ist der Onlinemodus. Keine Angst, dieser funktioniert so gut wie einwandfrei, hat kaum Lags und allgemein eine gute Performance. Doch warum darf jetzt plötzlich Geld in Autos und deren Individualisierung gesteckt werden? Das, was euch in der Karriere vorenthalten bleibt, bekommt ihr hier auf einmal geboten. Das ist für die Mehrspielermotivation toll, aber dennoch fragwürdig.

Viele Details bietet die Cockpitperspektive nicht.
Viele Details bietet die Cockpitperspektive nicht. (Quelle: Bandai Namco)

Leckerbissen zur Fahrstuhlmusik

Was GRID Autosport optisch aus den alten Konsolen herausholt, verdient ein Extralob. Die Bildrate kratzt für ein Rennspiel teilweise an der Grenze zum Ruckeln, doch wären da nicht ein paar niedrig aufgelöste Texturen, könnte das Spiel glatt als PS4- oder Xbox One-Titel durchgehen. Es sei denn, ihr spielt das Spiel im Splitscreen. Dann wirkt die Auflösung krümelig und die Bilder pro Sekunde sinken weiter. Dennoch ist es achtenswert, dass der geteilte Bildschirm geboten wird.

Auch im Soundbereich liefert Codemasters vernünftige Arbeit. Die Motorengeräusche wissen zu überzeugen und diverse Funksprüche tragen zur Atmosphäre bei, auch wenn sich diese zügig wiederholen. Lediglich die Menümusik wirkt oft einschläfernd und könnte - auf eine CD gepresst - den Namen "Elektrosounds zur Entspannung" tragen.

Das Geschwindigkeitsgefühl bringt GRID Autosport gut zur Geltung.
Das Geschwindigkeitsgefühl bringt GRID Autosport gut zur Geltung. (Quelle: Bandai Namco)

Fazit

GRID Autosport macht im Vergleich zum Vorgänger einiges richtig, aber auch einiges falsch. Das Wort "Verschlimmbesserung" kursierte fast dauerhaft während des Tests durch meinen Kopf. Wozu Cockpitperspektive und Teamkollege, wenn die Ideen nicht ordentlich umgesetzt oder zu Ende gedacht werden? Dank zurückgekehrter Tuning-Optionen und abschaltbarer Fahrhilfen wird der Titel gerade Rennspielfreunden einige Stunden an Spaß bescheren, aber der Wermutstropfen, dass noch deutlich mehr drin gewesen wäre, bleibt.

Pro Contra
Umfangreiche Einzelspielerkarriere… …die insgesamt zu steril bleibt
Abwechslungsreiche Spielmodi Cockpitperspektive schlecht umgesetzt
Grafisch extrem hohes Niveau Strecken-Recycling

GRID Autosport: Fazit

Verbessert, aber... 7.5/10

GRID Autosport macht im Vergleich zum Vorgänger einiges richtig, aber auch einiges falsch. Das Wort "Verschlimmbesserung" kursierte fast dauerhaft während des Tests durch meinen Kopf. Wozu Cockpitperspektive und Teamkollege, wenn die Ideen nicht ordentlich umgesetzt oder zu Ende gedacht werden? Dank zurückgekehrter Tuning-Optionen und abschaltbarer Fahrhilfen wird der Titel gerade Rennspielfreunden einige Stunden an Spaß bescheren, aber der Wermutstropfen, dass noch deutlich mehr drin gewesen wäre, bleibt.

Das hat uns gefallen

  • Umfangreiche Einzelspielerkarriere…
  • Abwechslungsreiche Spielmodi
  • Grafisch extrem hohes Niveau

Das hat uns nicht gefallen

  • …die insgesamt zu steril bleibt
  • Cockpitperspektive schlecht umgesetzt
  • Strecken-Recycling
Testnote 7,5 von 10
Bewertet von Mathias Müller
2,0 / 10
Spielzeit
8,0 / 10
Einstieg
7,0 / 10
Technik
Informationen zum Spiel

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9
Leserwertung

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