Gimbal im Test: Dobot Rigiet - der Geheimtipp?

Mögliche Alternative zu Gimbals von DJI und Co.

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von Tim Metzger
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Der Rigiet Gimbal kann auf verschiedene Art und Weise gehalten werden, um andere Perspektiven zu erzielen.

Der Gimbal-Markt liegt fest in den Händen von Herstellern wie DJI und Zhiyun, doch ein per Crowdfunding finanzierter Gimbal soll den etablierten Produkten nun die Stirn bieten. Der Dobot Rigiet bietet eine Vielzahl an Funktionen und soll nicht nur mit Smartphones, sondern auch mit Action Cams kompatibel sein, um Videos zu stabilisieren. Ob der eher unbekannte Dreiachsen-Stabilisator eine echte Alternative zu den bisherigen Top-Modellen darstellt oder es sich doch eher um einen Flop handelt, klärt unser Test.

In den letzten Jahren ist die Qualität der Smartphone-Kameras stark angestiegen. Die Premium-Modelle besitzen mittlerweile sogar eine optische Stabilisierung gegen Verwacklungen bei Foto- und Video-Aufnahmen. In Videos, die mit dem Smartphone gedreht wurden, sind beim Gehen trotzdem oft unerwünschte Bewegungen zu sehen. Insbesondere dann, wenn das Smartphone nicht über einen optischen Bildstabilisator verfügt. Um Handy-Videos noch wacklungsfreier zu machen, ähnlich wie bei einer professionellen Steady-Cam, wurden Gimbals kreiert, bei denen Elektromotoren Bewegungen auf drei Achsen ausgleichen.

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Als der Trend der Smartphone-Gimbals vor knapp zwei Jahren so langsam begann, war das technische Zubehör noch äußerst kostspielig. Im Laufe der Zeit sind sie jedoch günstiger geworden und Gimbals bieten mittlerweile deutlich mehr Funktionen.

Dobot Rigiet

Der Dobot Rigiet ist ein Dreiachsen-Gimbal, der Aufnahmen mit dem Smartphone oder der Action Cam stabilisiert und mittels verschiedener Modi beeindruckende Videos ermöglicht. Ursprünglich wurde das Produkt über Kickstarter im Frühjahr 2017 erfolgreich finanziert. Der Gimbal sollte eine günstigere Alternative zu Stabilisatoren wie dem DJI Osmo Mobile darstellen, welcher circa ein halbes Jahr zuvor auf den Markt kam. Das Testgerät gehört dennoch eher zu den Gimbals der "ersten Generation", weshalb es im direkten Vergleich mit der gegenwärtigen Konkurrenz etwas ins Hintertreffen gerät.

Generell stabilisiert der Rigiet ganz gut, im Direktvergleich mit den Alternativen fällt aber auf, dass diese noch etwas besser Vibrationen beim Gehen oder Laufen ausgleichen. Zu "günstigen" Gimbals ist er leistungstechnisch und qualitativ gleichauf, der Preis ist jedoch ein gutes Stück höher angesetzt, als die momentan wohl besten Gimbals auf dem Markt (Osmo Mobile 2 und Zhiyun Smooth 4). Zum Testzeitpunkt zahlt ihr für den Dobot Rigiet etwa 160 Euro. Die unverbindliche Preisempfehlung zur Markteinführung betrug 235 Euro.

Rigiet Gimbal in Bildern

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Verarbeitung und Akkulaufzeit

Der Großteil des Gimbal-Gehäuses besteht aus Aluminium, zwei Bereiche auf der Vorder- und Rückseite sind jedoch aus glänzendem Kunststoff gefertigt. Dort befinden sich ein Joystick, ein Knopf , zwei Schieberegler und das Stativ-Gewinde.

Die Unterseite kann abgeschraubt werden, um den Akku zu wechseln, was sehr unproblematisch ist, da es sich dabei um eine reguläre 18.650-Zelle mit 3.340 Milliamperestunden handelt. Da maximal nur eine Zelle im Gerät Platz findet, fällt die Laufzeit im Vergleich zur Konkurrenz eher gering aus, allerdings kann man bei den meisten anderen Gimbals den Akku nicht so leicht auswechseln.

Laut Herstellerangaben soll der Akku rund drei Stunden im dynamischen Betrieb durchhalten. Im Testzeitraum hielt der Gimbal stets einen normalen Tag aus, mit Wechsel zwischen Smartphones und Action Cams und verschiedener Einsatzmodi. In der Regel verwendet der durchschnittliche Nutzer den Stabilisator wahrscheinlich sowieso nicht drei Stunden aktiv am Stück, aber sollte man vorhaben, den Rigiet am Folgetag ebenfalls zu benutzen, sollte man am Abend nicht vergessen ihn sicherheitshalber aufzuladen.

Dobot Gimbal im Einsatz mit einer Action Cam.
Dobot Gimbal im Einsatz mit einer Action Cam.

Bedienung und Modi

Am 3-Achsen-Stabilisator befindet sich ein dreistufiger Schieberegler, mit welchem man zwischen den Modi "Yaw", "Yaw & Pitch" (Schwenken und Neigen) und "Lock" wechseln kann. Im ersten Modus bleibt das Gerät im Gimbal gerade ausgerichtet und die Stabilisatoren gleichen neigende Bewegungen aus, jedoch schwenkt der Gimbal bei einer seitlichen Bewegung des Handgelenks mit.

Im Lock-Modus geschieht dies nicht, das Gerät bleibt also weitestgehend gerade ausgerichtet. Mit dem Joystick kann jederzeit die Ausrichtung geändert werden. Im Yaw & Pitch-Modus schwenkt und neigt sich der Gimbal langsam mit den entsprechenden Bewegungen in die gewünschte Richtung.

Der Knopf unterhalb des Joysticks dient dem Ein- und Ausschalten des Gimbals, sowie dem Starten oder Beenden einer Aufnahme, sobald ein Gerät mit der App verbunden wurde. Da Smartphones unterschiedlich groß und schwer sind, muss der Gimbal am besten vor jedem Start mithilfe einer Schraube ausbalanciert werden, damit die Motoren optimal arbeiten können und das Handy nicht während der Aufnahme beginnt, sich plötzlich in eine bestimmte Richtung zu neigen.

Praktisch sind die schnell verfügbaren Positionen für "Selfie" und "Underslung", bei denen das Smartphone entweder im Hochformat ausgerichtet ist oder der Gimbal kopfüber gehalten wird, also mit dem Griff nach oben zeigt, womit man ihn für eine andere Perspektive näher am Boden halten kann. Zuweilen möchte der Gimbal aber partout nicht mit der nötigen Bewegung zu diesen wechseln, weshalb man mit der Hand nachgreifen und im ungünstigsten Fall den Gimbal neu starten muss.

Die Stabilisierung des Smartphones kommt noch mit einem weiteren Nachteil daher, denn die Elektromotoren erzeugen im Betrieb ein hochfrequentes Surren. Dieses fällt in der Regel zwar nicht auf, aber das Mikrofon des Smartphones liegt direkt an einem Motor an, wodurch das Geräusch deutlich in den Aufnahmen zu hören ist. Andere Gimbals haben auch mit diesem Problem zu kämpfen, machen beim Zentrieren des Smartphones (per Klick auf den Joystick) aber kein hörbares "Klack", wie der Dobot.

Beispiel-Videos zum Gimbal

Nachfolgend haben wir eine Playlist aus kurzen Clips zusammengestellt, die mit einem Smartphone (Galaxy S8) und einer Action Cam (Yi 4K+) im Gimbal gefilmt wurden. Teilweise wurde eine zusätzliche Stabilisierung (10 Prozent Stärke) während der Bearbeitung hinzugefügt, um das Ergebnis darzustellen, wenn Gimbal und Software-Stabilisierung gemeinsam eingesetzt werden.

Die Software enttäuscht in vielen Punkten

Der größte Schwachpunkt des Test-Gimbals liegt unserer Meinung nach in der App, denn dort befinden sich einige weitere Modi für das Gadget, die theoretisch äußerst praktisch sein könnten, aber unter Android nur beschränkt nutzbar sind. Mit der iOS-App werden einige Beschränkungen aufgehoben, denn dort kann in bis zu 4K mit 60 Bildern pro Sekunde gefilmt werden und der Wechsel zwischen den Modi sowie die generelle Performance ist merklich reibungsloser und schneller. Gelegentliche Verbindungsprobleme und Abstürze blieben jedoch auch dort bestehen.

Die App verfügt neben dem obligatorischen Video- beziehungsweise Fotomodus (mit Panoramafunktion) noch über die Modi für Zeitraffer und bewegtes Zeitraffer, zwischen denen man nach der Bluetooth-Kopplung über den zweiten Schieberegler am Gimbal wechseln kann. Stehen bei iPhones Auflösungen bis 4K zur Verfügung, schauen Android-Nutzer in die Röhre, dort hat man nämlich nur die Wahl zwischen HD und Full-HD bei maximal 30 Bildern pro Sekunde.

Natürlich kann man stattdessen auch die hauseigene Kamera-App des Smartphones nutzen, dann verliert man jedoch Zugriff auf zusätzliche Gimbal-Funktionen. Der Video- und Fotomodus funktioniert abseits der Auflösungsbeschränkung und gelegentlichen Problemen mit dem Autofokus ganz passabel. Der reguläre Zeitraffer-Modus ist ebenfalls in Ordnung, macht aber nichts anders im Vergleich zu ähnlichen Modi in anderen Kamera-Apps.

Anders sieht es bei den bewegten Zeitraffern aus. Bleibt der Gimbal unbewegt, wenn er beispielsweise auf einem Tisch steht oder mittels des Gewindes auf der Rückseite (was nebenbei bemerkt eine ungünstige Position ist) an einem Stativ angebracht ist, so lassen sich mit dem Joystick im Voraus verschiedene Positionen und Zeitintervalle auswählen, die der Gimbal während der Aufnahme "entlangfahren" soll.

Die Ergebnisse sehen beeindruckend aus, werden unter Android aber leider nur in HD (720p) gespeichert. Zudem hatten wir in diesem Modus die meisten Probleme mit der Gimbal-Software: Mal stürzte die App einfach ab, verlor die Verbindung während der Aufnahme oder bewegte den Gimbal nicht in die gewählte Richtung. Eine erfolgreiche Aufnahme in diesem Modus, die mit dem iPhone XS erstellt wurde, ist nachfolgend zu sehen.

Panorama-Aufnahmen gelingen schnell und mit einem Klick, aber auch dort erscheint am Ende meist eine Fehlermeldung der App, wenn diese Probleme mit dem Zusammenschneiden hatte oder die Belichtung stimmt bei erfolgreicher Aufnahme überhaupt nicht, wenn das Motiv nicht einheitlich ausgeleuchtet ist.

Überraschend gut funktionierte allerdings das Live-Tracking, welches in fast allen Modi verfügbar ist. Mit einem Tipp auf die entsprechende Schaltfläche kann ein beliebig großes Rechteck über das gewünschte Objekt im Fokus gezogen werden und stets erkennt und verfolgt der Gimbal im Anschluss automatisch dessen Bewegungen. In den Einstellungen kann zusätzlich die Empfindlichkeit beziehungsweise die Geschwindigkeit der horizontalen oder vertikalen Schwenks eingestellt werden.

Lieferumfang

Man bekommt eine stabile Hartschale und einen Adapter für Action Cams mitgeliefert. Letzterer enttäuschte aber, da nur eine der zwei nötigen Befestigungsschrauben vorhanden war und optionale Adapter von Online-Anbietern wie Amazon und Co. (circa 15 Euro) auch qualitativ besser sind. Die Bedienungsanleitung ist ausführlich und verständlich auf Englisch beschrieben.

Es scheitert nur an der App, weshalb man das Gadget nur "Offline" benutzen kann, was den Funktionsumfang stark einschränkt. Etwas schlechter ausgestattete Gimbals mit "Standardfunktionen“ bekommt ihr bereits für weniger als die Hälfte des angegebenen Preises. Die DJI- und Zhiyun-Konkurrenz bietet derzeit mehr und vor allem zuverlässigere Funktionen, besseren Halt und längere Akkulaufzeiten für weniger Geld.

Ein Gimbal-Preisvergleich

Um euch eine Übersicht zu verschaffen, weshalb wir den Preis des Dobot Rigiet als zu hoch empfinden, haben wir eine kurze Liste zusammengestellt, die die Preise der ursprünglichen und derzeitigen Konkurrenz aufzeigt.

  • Dobot Rigiet (ursprünglich); 235 Euro
  • Dobot Rigiet (aktuell): 159 Euro
  • DJI Osmo Mobile (ursprünglich): 339 Euro
  • DJI Osmo Mobile (aktuell): 159 Euro
  • DJI Osmo Mobile 2 (aktuell): 136 Euro
  • Zhiyun Smooth 4: 129 Euro
  • günstigere Gimbals von z.B. Rollei: <99 Euro

Dobot Rigiet: Fazit

Solider Gimbal, App verbesserungswürdig 6.7/10

Der Dobot Rigiet ist an sich durchaus ein solider Gimbal, jedoch ist der Preis aktuell zu hoch angesetzt. Konkurrenzprodukte dieser Preisklasse bieten meist besser nutzbare Funktionen. Zudem ist der Gimbal aufgrund der problematischen Software eher nur für iPhone-Besitzer zu empfehlen. Es sei denn, ihr verzichtet auf die App-Funktionen.

Das hat uns gefallen

  • schnell wechselbarer Akku
  • schneller Wechsel zu "Selfie" und "Underslung"
  • einfache Bedienung

Das hat uns nicht gefallen

  • zu hoher Preis im Vergleich zur Konkurrenz
  • schlechte App und dadurch weniger Funktionen
  • Stabilisierung verbesserungswürdig
Testnote 6,7 von 10
Tim Metzger.jpg
Bewertet von Tim Metzger
7,0 / 10
Design und Verarbeitung
7,0 / 10
Funktionalität und Bedienung
6,0 / 10
Kompatibilität
Informationen zum Leihgerät

Das Gimbal wurde uns vom Hersteller zu Verfügung gestellt und wird anschließend über unsere Social Media-Kanäle verlost.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

9
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Dobot Rigiet selbst bewerten.

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